Type image caption here (optional)NS-Raubkunst im Kunsthandel transparent machen!Heute spreche ich im Experten-Talk mit Simon Braun über den Kunsthandel, NS-Raubkunst und den spektakulären Restitutionsfall von Carl Spitzwegs Justitia, einem Werk aus der Spätromantik und Biedermeier-Zeit. Simon ist ein Young Professional im Bereich Kulturmanagement. 2019 und 2020 war er für die Agentur Goldmann Public Relations maßgeblich an der Kommunikationskampagne zur Restitution und Versteigerung der Justitia beteiligt – die nach langer Zeit endlich ihren rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden konnte.Simon, als Laie erfährt man über den Kunsthandel eigentlich immer nur dann etwas, wenn mal wieder ein Kunstwerk für astronomische Summen versteigert wurde. Kannst Du uns einmal in Elevator-Pitch-Manier ein grobes Bild über den Wirtschaftssektor „Kunsthandel“ zeichnen?Man unterteilt den Kunsthandel grundsätzlich in zwei Bereiche: den Primärmarkt und den Sekundärmarkt. Der Primärmarkt setzt sich aus Sammlern und Galerien zusammen. Die Galerien vertreten die Künstler, die Künstler produzieren (wirtschaftlich ausgedrückt) die Ware. Die Sammler hängen sich die Kunstwerke an die Wand: Als Zukunftsinvestition, Ausdruck eines Lifestyles oder einfach, weil sie sich mit der Kunst identifizieren. Der Sekundärmarkt besteht aus den Kunsthändlern und Auktionshäusern. 2018 lag der Jahresumsatz für den weltweiten Sektor „Kunsthandel“ bei ca. 67 Mrd. Euro, in Deutschland bei etwa zwei Milliarden. Die USA, China und Großbritannien dominieren den Markt. Der Auktionsmarkt hatte 2018 alleinstehend einen Umsatz von 30 Mrd. Euro. Es gibt wenige große Player und ganz viele kleine – aber praktisch nichts dazwischen.Welche Auswirkung hatte der Corona-Lockdown auf die Auktionshäuser?Schon vor Corona gab es Online-Auktionen. Während des Lockdowns begannen viele Häuser, diese weiter auszubauen. Aber sowohl Anbieter also auch Bieter sind sich im großen Maße einig: Was eine Auktion ausmacht, sind die Geschehnisse im Auktionssaal. Bei uns war die Auktion von Carl Spitzwegs Justitia eine der ersten Auktionen nach dem Lockdown, die wieder physisch stattfanden. Das Haus hatte sich für eine hybride Lösung entschieden: Ein Teil der Bieter war vor Ort und ein anderer Teil konnte online mitbieten.Von den hohen Preisen im Kunsthandel werden doch bestimmt auch Fälscher angelockt, die versuchen ihre falschen echten Meister zu verkaufen, oder? Ich erinnere mich an Han van Meegeren, der in den 30er und 40er Jahren mehrere Vermeer-Fälschungen verkaufte – unter anderem an Herman Göring.Kunstfälschung hat sich in der Tat zu einer Art Berufsbild entwickelt - von Menschen, die auch im Fahrwasser des Marktes und des Geldes mitschwimmen wollen. Das geht von Signaturfälschung bis hin zu kompletter Neuschaffung von Gemälden, die dann als wiederentdeckte Objekte deklariert werden, wie bei Han van Meegeren oder, etwas aktueller, bei Wolfgang Beltracchi. Dennoch handelt es sich hierbei schon eher um organisiertes Verbrechen: Neben der Fälschung benötigt man meist einen Anwalt oder einen Gutachter sowie einen Galeristen, der das Werk vertritt – und diese Leute sollten in der Regel nach ihrem Gewissen handeln, was ja auch die meisten tun. Der Kunstmarkt ist hochprofessionell, man kennt diese Fälscher-Geschichten und jedes Museum und Auktionshaus hat seine eigenen Experten für Genre, Gattung, Künstler oder Techniken. Das sind detektivische Wissenschaftler, die Bilder röntgen und deren Pigmentierung analysieren. Man kann Fälschungen nicht komplett verhindern, aber es wird immer schwieriger für die Fälscher.Im Nationalsozialismus raubten die Nazis zahlreiche Kunstwerke. Die Opfer des Raubs waren vor allem verfolgte Juden. Der NS-Kunstraub wird auf 600.000 Kunstwerke geschätzt. Wie laufen die Prozesse der Rückgabe (Restitution) an die die rechtmäßigen Eigentümer ab?This photo provided by The Monuments Men Foundation for the Preservation of Art of Dallas, shows Monuments Man James Rorimer, with notepad, as he supervises American GI's hand-carrying paintings down the steps of the castle in Neuschwanstein, Germany in May of 1945. (photo credit: AP/National Archives and Records Administration)Bis heute gibt es noch ca. 100.000 Werke mit ungeklärter Provenienz (Herkunft). Es gibt Datenbanken und Institutionen, wie das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, die sich um solche Themen kümmern. Restitution ist aber eine rechtlich ziemlich schwierige Auseinandersetzung um Eigentum – und damit verwickelt sind menschliche Schicksale. Es gibt als Grundlage eine Selbstverpflichtung zur Aufarbeitung: 1998 wurden international die Washingtoner Prinzipien verabschiedet, in denen diese Selbstverpflichtung postuliert ist. Deutschland hat noch zusätzlich eine Handreichung mit Praxisempfehlungen verabschiedet, wie man mit Werken ungeklärter Herkunft umgehen sollte.Rechtlich ist das allerdings wenig bis gar nicht bindend. Es geht um den freien Willen der vermeintlichen Eigentümer. Wenn die rechtlichen Besitzansprüche geklärt sind, kann man die Herausgabe der Bilder verlangen. Allerdings verjähren die Ansprüche nach 30 Jahren. In der Praxis sind das Angelegenheiten, die extrem schwierig, langwierig und zäh sind und am Ende oft mit außergerichtlichen Einigungen geregelt werden.In Deutschland gibt es eine Arbeitsstelle für Provenienzforschung mit einem Jahresbudget von 2 Mio. Euro, die nur dafür da sind, solche Verhältnisse aufzuspüren. Mittlerweile gibt es auch Lehrstühle und private wie institutionelle Forscher, die sich damit beschäftigen – jedes größere Museum hat einen hauseigenen Provenienzforscher. In der Regel sind dies Kunsthistoriker und Rechtsanwälte. In unserem Fall hat sich ein Forscherteam durch Akten in halb Europa gewühlt, um herauszufinden, wie es um die Provenienz der Justitia steht.Erzähl uns die Story der Restitution der JustitiaCarl Spitzweg, „Justitia“, 1857 / Quelle: Neumeister/Christian MitkoGoldmann Public Relations ist eine führende PR-Agentur im Bereich Kunst und Kultur, mit Sitzen in Berlin, München und Zürich. Die Agentur bewegt sich im Handlungs- und Vermittlungsfeld zwischen Kultur, Wirtschaft und Medien. Während meiner Zeit kam das Münchner Auktionshaus „Neumeister“ auf uns zu. Nachdem die Eigentümerin das Haus von ihrem Vater übernommen hatte, ließ sie dessen gesamte Geschichte aufarbeiten. Fast jedes Auktionshaus, das während der NS-Zeit existierte oder existieren durfte, hat seine dunklen Seiten in der Geschichte. Auch das Auktionshaus Neumeister hat im Keller brisantes Material gefunden. Die Eigentümerin wollte so transparent wie möglich damit umgehen – und entschloss sich, die eigene Geschichte und die Provenienz bedeutsamer Werke von Forschern aufarbeiten zu lassen und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Damit ist das Auktionshaus Neumeister zum Pionier in Sachen Aufarbeitung von NS-Raubkunst geworden – denn viele Häuser ignorieren die ungeklärte Herkunft vieler ihrer Werke. Es war bis dato ein Tabuthema.Mit welchem Auftrag kam das Haus Neumeister auf euch zu?Das Auktionshaus Neumeister stand vor dem Fall Justitia. Sie wollten die Geschichte transparent machen, wussten aber nicht genau, wie. Also halfen wir ihnen, diese Geschichte zu erzählen und produktive Wege zu finden. Das Hauptziel war, die Geschichte der Besitzverhältnisse zu erzählen und klarzustellen, wer der ursprüngliche Eigentümer der Justitia war, bzw. wer die rechtmäßigen Erben sind.Was hat es mit dem Werk auf sich?Das Werk Justitia des Malers Carl Spitzweg ist ein Raubkunstfall, an dem exemplarisch die Dramatik, Tragweite und auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Provenienzforschung deutlich werden. Denn wenn wir zurückschauen, handelt es sich um ein Gemälde, dessen ursprünglicher Besitzer – der jüdische Kunstsammler Leo Bendel – fliehen und im KZ sterben musste.Leo und Else Bendel kurz nach ihrer Ankunft in Wien. (Foto: Privatarchiv / Karl-Werner Quarg / Elisabeth Sandmann Verlag)Carl Spitzweg war Hitlers Lieblingsmaler. Das Bild, das Bendel unter Zwang der Nazis zu einem Spottpreis verkaufen musste, sollte in das geplante Führermuseum nach Linz gebracht werden. Der Verkaufspreis war niedrig, sodass Freiwilligkeit ausgeschlossen werden kann. Zwar hat Bendel theoretisch sein Eigentum an die Nazis übertragen. Aber unter diesem Kontext ist das natürlich mehr als zynisch. Heute spricht man von NS-verfolgungsbedingtem Verlust. Niemand hätte das Werk für diesen Preis verkauft. Die Ironie dabei ist, dass das Bild einen hochpolitischen Inhalt hat: Zu sehen ist eine Justitia mit verrutschter Augenbinde und kaputter Waage. Im Hintergrund lugt ein Wachmann um die Ecke. Die Aussage ist deutlich: Die Gerechtigkeit bröckelt.Als die Alliierten endlich die Oberhand im Krieg gewannen, wurde das Werk von den Nazis mit anderen Gemälden in einem Bergwerk versteckt, um es vor Bombeneinschlägen zu schützen. Später wurde es dann von alliierten Monuments Men gefunden und zum Central Collecting Point der Alliierten nach München gebracht. Dort konnte man aufgrund eines Schreibfehlers den Besitzer nicht mehr feststellen. So kam das Bild dann erst zum bayrischen Ministerpräsidenten und dann später, 1961, in die Villa Hammerschmidt des Bundespräsidialamtes, wo es bis 2006 die Amtsräume von acht Bundespräsidenten schmückte – von Heinrich Lübke bist Horst Köhler.Wahnsinn!Auch das ist eine Pointe, dass das Werk so lange im Bundespräsidialamt hing! 2006/2007 wurde dann ein Antrag zur Restitution gestellt, dem Horst Köhler auch stattgegeben hat. Aber dann ging es noch einmal richtig los.Wie meinst Du das? Es dauerte noch einmal zwölf Jahre, bis das Bild dann 2019 an die rechtmäßigen Erben ging. Köhler hatte den Antrag zwar unterzeichnet. Allerdings zeigte der deutsche Beamtenapparat dann sein hässliches Gesicht und stellte immer neue juristische und bürokratische Hürden. Die Nichte der Frau des Besitzers Leo Bendel war rechtmäßige Erbin. Sie ist während des Restitutionsprozesses allerdings verstorben. So musste ein neuer Erbantrag gestellt werden. Und vonseiten der Bürokratie kamen Forderungen nach der Geburtsurkunde von Leo Bendel. Seine Geburtsstadt in Polen wurde von den Nazis dem Erdboden gleich gemacht. Wie soll man da eine Geburtsurkunde einholen?Der Besitzerin des Auktionshauses Neumeister und Goldmann PR war es wichtig, dafür zu kämpfen, solche Hürden abzubauen und gemeinsam mit der Politik solche Restitutionsprozesse produktiver zu gestalten. Darum haben wir auch eine Tagung mit unterschiedlichen Akteuren und Interessensgruppen dazu veranstaltet, um eine zielführende Diskussion zu ermöglichen.Vielen Dank, Simon!Bringing Light to Nazi-looted Art within the Art Sector / Art TradeIn today’s expert-talk, I am speaking with Simon Braun about the art sector, Nazi-looted art and the spectacular restitution case of Carl Spitzweg’s Justitia (Lady Justice), a painting from the Late-Romantic and Biedermeier era. Simon is a young professionalworking in cultural management. In 2019 and 2020, he played a decisive role in the communication campaign for the restitution and auction of Justitia, which after a long time was returned to its rightful heirs at last.Simon, as a lay person you only ever hear about the art sector when an artwork is auctioned for a staggering amount of money. Can you give as us an elevator pitch on what the art trade looks like as an economic sector? You can generally divide the art sector into two areas: the primary market and the secondary market. The primary market consists of collectors and galleries. Galleries represent artists and artists produce the goods, economically speaking. Collectors put the works on their walls: as future investment, expression of a lifestyle or simply because they identify with the artwork. The secondary market is made up of art dealers and auction houses. In 2018, the total revenue in the art sector amounted to 67 billion euros worldwide and around two billion euros in Germany. The market is dominated by the USA, China and the UK. The auction market alone had a revenue of 30 billion euros in 2018. There are very few big players and many small ones – but hardly anything in between.How did the Covid-19 lockdown impact auction houses?There already had been online auctions before Covid-19. During the lockdown, many houses began to expand them. Still, both sellers and buyers are largely unanimous: What makes the appeal of an auction is the live-action in the room. Our auction of Carl Spitzweg’s Justitia was one of the first auctions in front of an audience after the shutdown. The house went for a hybrid-solution: a part of the bidders was physically present, the other part could bid online.Surely, high prices in the art trade must attract many forgers who try to sell their fake masterpieces? I remember Han van Meegeren, who sold multiple fake Vermeer-paintings during the 1930s and 1940s – to the leading Nazi politician Herman Göring, among others.Art forgery has indeed become a kind of profession – for people who want to benefit from the market and the money in it. This ranges from faking signatures to creating completely new paintings which are then declared as rediscovered works, as in the case of Han van Meegeren or, more recently, Wolfgang Beltracchi. Of course, this rather falls in the category of organized crime: apart from the fake painting, you would need an attorney or third-party assessor as well as a gallerist who represents the work – and these experts are held to act to the best of their knowledge and belief, which most of them do. The art market today is highly professional. These stories of forgery are known and so every museum and auction house has its own experts for different genres, eras, artists or techniques. They are detective-like scientists who X-ray canvases and analyse their colour pigmentation. Fakes cannot be stopped completely, but it is getting harder and harder for forgers.During National Socialism, the Nazis looted many works of art. Above all, the victims were persecuted Jews. Estimates range at around 600.000 stolen works. What does the process of returning the works to their rightful owners (restitution) look like?This photo provided by The Monuments Men Foundation for the Preservation of Art of Dallas, shows Monuments Man James Rorimer, with notepad, as he supervises American GI's hand-carrying paintings down the steps of the castle in Neuschwanstein, Germany in May of 1945. (photo credit: AP/National Archives and Records Administration)Today, we still count around 100.000 works with ambiguous provenance. There are databanks and institutions such as the German Lost Art Foundation who deal with these issues. However, restitution proves to be a rather difficult legal contention around the issue of property – deeply intertwining with human fates. As a basis, the Washington Principles, an international self-commitment to come to terms with and solve these cases, have been enacted. Additionally, Germany has published a recommendation providing practical steps on how to handle works with unclear provenance.Legally however, they are hardly binding at all. Above all else, it comes down to the current owner’s free will. After clarifying the ownership claims, the return of a painting can be demanded. However, original entitlement to possession expires after 30 years. In reality, these cases turn out to be extremely difficult and lengthy, which is why in the end they are often resolved in settlements out of court.The German government has an office for provenance research with a yearly budget of 2 million euros, which solely traces out such cases. By now, there are also dedicated university departments and both private and institutional investigators. Every larger museum has its own provenance researcher. Usually, those are art historians or lawyers. In our case, a team of researchers dug through files and records in half of Europe in order to discover the exact provenance of Justitia.Tell us the restitution story of JustitiaCarl Spitzweg, „Justitia“, 1857 / Quelle: Neumeister/Christian MitkoGoldmann Public Relations is a leading PR-agency in the Arts & Culture sector with offices in Berlin, Munich and Zurich. The firm acts as a mediator and communicator between the sectors of art, business and the media. During my employment, Neumeister Auctioneers, Munich approached us. After succeeding her father in managing the house, the owner had its entire history researched and made transparent. Nearly every auction house that existed or was allowed to exist during National Socialism, has some dark sides to its history. Likewise, Neumeister discovered highly sensitive material in its basement. Wishing to treat the material as transparently as possible, the owner decided to let scientists research the house’s history as well as the provenance of significant works and to make them public. This way, the auction house became a pioneer in dealing with Nazi-looted art, since many other houses often ignore unexplained parts in the provenance of its artworks. Until then, the issue had been more or less taboo.What mission did the auction house entrust to you?Neumeister was confronted with the case of Justitia. They wanted to make its history publicly transparent, but did not know how. So we helped them tell the story and find productive ways of dealing with the issues surrounding it. The main goal was to narrate the history of its ownership and clarify who rightfully owns it.What is the story behind the artwork? Carl Spitzweg’s painting Justitia is a case of Nazi-looted art that exemplifies the drama as well as the scale and consequences, but also the potential for development that lie in the field of provenance research. Looking closer, we discover a painting whose original owner – the Jewish art collector Leo Bendel – was forced to flee and who eventually died in a concentration camp.Leo und Else Bendel kurz nach ihrer Ankunft in Wien. (Foto: Privatarchiv / Karl-Werner Quarg / Elisabeth Sandmann Verlag)Carl Spitzweg was Hitler’s favourite painter. The work, that Bendel sold under duress of the Nazis at a ridiculous price, was intended to feature in Hitler’s planned ‘Führermuseum’ in Linz, Austria. The price was low, therefore the possibility of a voluntary sale can be excluded. On a theorical level, Bendel did transfer his property to the Nazis. In this context, such an assumption would of course be cynical. Today, we describe this as a loss resulting from persecution. No one would have given away the work unless pressurized by such circumstances. The irony is that the painting has a highly political subject matter: it depicts a statue of Lady Justice whose blindfold has slipped and whose scales are broken. In the background, a police officer suspiciously lurks at the viewer. The message is clear: justice is disintegrating.When the Allied forces gained the upper hand in the war, this work and other paintings were hid away by the Nazis in an abandoned mine to protect them from the bombs. Later, allied Monuments Men discovered it and brought it to the american Central Collecting Point in Munich. Due to an error in spelling, the owner could not be determined. Subsequently, the painting was handed to the Bavarian Prime Minister and then later, in 1961, to the Villa Hammerschmidt – the Office of the German Federal President – where it decorated the offices of eight Federal Presidents: from Heinrich Lübke to Horst Köhler.Unbelievable! Quite ironic indeed, that the work hung on the walls of the German Federal President for such a long time. In 2006/2007, the rightful heirs filed a claim for restitution, which was granted by Horst Köhler. But then, things really took off once more.How do you mean?It would take another twelve years until the painting was returned to the rightful heirs in 2019. Köhler did grant the restitution, but then German bureaucracy revealed its true face and posed ever new legal and administrative obstacles. The niece of Leo Bendel’s wife was the rightful heir. However, she passed away during the restitution process. A new application for inheritance had to be filed. The bureaucracy insistently demanded a birth certificate of Leo Bendel, whose native town in Poland had been eradicated to the ground by the Nazis. How should you come up with a birth certificate there?It was a concern of the auction house Neumeister and of Goldmann Public Relations to fight for the removal of such barriers and, in collaboration with political actors, to increase the productivity of restitution processes. This is why we also hosted a conference with various actors and stakeholders on the matter, in order to enable a goal-oriented discussion.Thank you very much, Simon!
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NS-Raubkunst im Kunsthandel transparent machen!
Heute spreche ich im Experten-Talk mit Simon Braun über den Kunsthandel, NS-Raubkunst und den spektakulären Restitutionsfall von Carl Spitzwegs Justitia, einem Werk aus der Spätromantik und Biedermeier-Zeit. Simon ist ein Young Professional im Bereich Kulturmanagement. 2019 und 2020 war er für die Agentur Goldmann Public Relations maßgeblich an der Kommunikationskampagne zur Restitution und Versteigerung der Justitia beteiligt – die nach langer Zeit endlich ihren rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden konnte.
Simon, als Laie erfährt man über den Kunsthandel eigentlich immer nur dann etwas, wenn mal wieder ein Kunstwerk für astronomische Summen versteigert wurde. Kannst Du uns einmal in Elevator-Pitch-Manier ein grobes Bild über den Wirtschaftssektor „Kunsthandel“ zeichnen?
Man unterteilt den Kunsthandel grundsätzlich in zwei Bereiche: den Primärmarkt und den Sekundärmarkt. Der Primärmarkt setzt sich aus Sammlern und Galerien zusammen. Die Galerien vertreten die Künstler, die Künstler produzieren (wirtschaftlich ausgedrückt) die Ware. Die Sammler hängen sich die Kunstwerke an die Wand: Als Zukunftsinvestition, Ausdruck eines Lifestyles oder einfach, weil sie sich mit der Kunst identifizieren. Der Sekundärmarkt besteht aus den Kunsthändlern und Auktionshäusern. 2018 lag der Jahresumsatz für den weltweiten Sektor „Kunsthandel“ bei ca. 67 Mrd. Euro, in Deutschland bei etwa zwei Milliarden. Die USA, China und Großbritannien dominieren den Markt. Der Auktionsmarkt hatte 2018 alleinstehend einen Umsatz von 30 Mrd. Euro. Es gibt wenige große Player und ganz viele kleine – aber praktisch nichts dazwischen.
:devider:
Welche Auswirkung hatte der Corona-Lockdown auf die Auktionshäuser?
Schon vor Corona gab es Online-Auktionen. Während des Lockdowns begannen viele Häuser, diese weiter auszubauen. Aber sowohl Anbieter also auch Bieter sind sich im großen Maße einig: Was eine Auktion ausmacht, sind die Geschehnisse im Auktionssaal. Bei uns war die Auktion von Carl Spitzwegs Justitia eine der ersten Auktionen nach dem Lockdown, die wieder physisch stattfanden. Das Haus hatte sich für eine hybride Lösung entschieden: Ein Teil der Bieter war vor Ort und ein anderer Teil konnte online mitbieten.
:devider:
Von den hohen Preisen im Kunsthandel werden doch bestimmt auch Fälscher angelockt, die versuchen ihre falschen echten Meister zu verkaufen, oder? Ich erinnere mich an Han van Meegeren, der in den 30er und 40er Jahren mehrere Vermeer-Fälschungen verkaufte – unter anderem an Herman Göring.
Kunstfälschung hat sich in der Tat zu einer Art Berufsbild entwickelt - von Menschen, die auch im Fahrwasser des Marktes und des Geldes mitschwimmen wollen. Das geht von Signaturfälschung bis hin zu kompletter Neuschaffung von Gemälden, die dann als wiederentdeckte Objekte deklariert werden, wie bei Han van Meegeren oder, etwas aktueller, bei Wolfgang Beltracchi. Dennoch handelt es sich hierbei schon eher um organisiertes Verbrechen: Neben der Fälschung benötigt man meist einen Anwalt oder einen Gutachter sowie einen Galeristen, der das Werk vertritt – und diese Leute sollten in der Regel nach ihrem Gewissen handeln, was ja auch die meisten tun. Der Kunstmarkt ist hochprofessionell, man kennt diese Fälscher-Geschichten und jedes Museum und Auktionshaus hat seine eigenen Experten für Genre, Gattung, Künstler oder Techniken. Das sind detektivische Wissenschaftler, die Bilder röntgen und deren Pigmentierung analysieren. Man kann Fälschungen nicht komplett verhindern, aber es wird immer schwieriger für die Fälscher.
:devider:
Im Nationalsozialismus raubten die Nazis zahlreiche Kunstwerke. Die Opfer des Raubs waren vor allem verfolgte Juden. Der NS-Kunstraub wird auf 600.000 Kunstwerke geschätzt. Wie laufen die Prozesse der Rückgabe (Restitution) an die die rechtmäßigen Eigentümer ab?
photo credit: AP/National Archives and Records Administration)
This photo provided by The Monuments Men Foundation for the Preservation of Art of Dallas, shows Monuments Man James Rorimer, with notepad, as he supervises American GI's hand-carrying paintings down the steps of the castle in Neuschwanstein, Germany in May of 1945.
Bis heute gibt es noch ca. 100.000 Werke mit ungeklärter Provenienz (Herkunft). Es gibt Datenbanken und Institutionen, wie das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, die sich um solche Themen kümmern. Restitution ist aber eine rechtlich ziemlich schwierige Auseinandersetzung um Eigentum – und damit verwickelt sind menschliche Schicksale. Es gibt als Grundlage eine Selbstverpflichtung zur Aufarbeitung: 1998 wurden international die Washingtoner Prinzipien verabschiedet, in denen diese Selbstverpflichtung postuliert ist. Deutschland hat noch zusätzlich eine Handreichung mit Praxisempfehlungen verabschiedet, wie man mit Werken ungeklärter Herkunft umgehen sollte.Rechtlich ist das allerdings wenig bis gar nicht bindend. Es geht um den freien Willen der vermeintlichen Eigentümer. Wenn die rechtlichen Besitzansprüche geklärt sind, kann man die Herausgabe der Bilder verlangen. Allerdings verjähren die Ansprüche nach 30 Jahren. In der Praxis sind das Angelegenheiten, die extrem schwierig, langwierig und zäh sind und am Ende oft mit außergerichtlichen Einigungen geregelt werden.In Deutschland gibt es eine Arbeitsstelle für Provenienzforschung mit einem Jahresbudget von 2 Mio. Euro, die nur dafür da sind, solche Verhältnisse aufzuspüren. Mittlerweile gibt es auch Lehrstühle und private wie institutionelle Forscher, die sich damit beschäftigen – jedes größere Museum hat einen hauseigenen Provenienzforscher. In der Regel sind dies Kunsthistoriker und Rechtsanwälte. In unserem Fall hat sich ein Forscherteam durch Akten in halb Europa gewühlt, um herauszufinden, wie es um die Provenienz der Justitia steht.
:devider:
Erzähl uns die Story der Restitution der Justitia
Carl Spitzweg, „Justitia“, 1857 / Quelle: Neumeister/Christian Mitko
Goldmann Public Relations ist eine führende PR-Agentur im Bereich Kunst und Kultur, mit Sitzen in Berlin, München und Zürich. Die Agentur bewegt sich im Handlungs- und Vermittlungsfeld zwischen Kultur, Wirtschaft und Medien. Während meiner Zeit kam das Münchner Auktionshaus „Neumeister“ auf uns zu. Nachdem die Eigentümerin das Haus von ihrem Vater übernommen hatte, ließ sie dessen gesamte Geschichte aufarbeiten. Fast jedes Auktionshaus, das während der NS-Zeit existierte oder existieren durfte, hat seine dunklen Seiten in der Geschichte. Auch das Auktionshaus Neumeister hat im Keller brisantes Material gefunden. Die Eigentümerin wollte so transparent wie möglich damit umgehen – und entschloss sich, die eigene Geschichte und die Provenienz bedeutsamer Werke von Forschern aufarbeiten zu lassen und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Damit ist das Auktionshaus Neumeister zum Pionier in Sachen Aufarbeitung von NS-Raubkunst geworden – denn viele Häuser ignorieren die ungeklärte Herkunft vieler ihrer Werke. Es war bis dato ein Tabuthema.
:devider:
Mit welchem Auftrag kam das Haus Neumeister auf euch zu?
Das Auktionshaus Neumeister stand vor dem Fall Justitia. Sie wollten die Geschichte transparent machen, wussten aber nicht genau, wie. Also halfen wir ihnen, diese Geschichte zu erzählen und produktive Wege zu finden. Das Hauptziel war, die Geschichte der Besitzverhältnisse zu erzählen und klarzustellen, wer der ursprüngliche Eigentümer der Justitia war, bzw. wer die rechtmäßigen Erben sind.
:devider:
Was hat es mit dem Werk auf sich?
Das Werk Justitia des Malers Carl Spitzweg ist ein Raubkunstfall, an dem exemplarisch die Dramatik, Tragweite und auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Provenienzforschung deutlich werden. Denn wenn wir zurückschauen, handelt es sich um ein Gemälde, dessen ursprünglicher Besitzer – der jüdische Kunstsammler Leo Bendel – fliehen und im KZ sterben musste.
Leo und Else Bendel kurz nach ihrer Ankunft in Wien. (Foto: Privatarchiv / Karl-Werner Quarg / Elisabeth Sandmann Verlag)
Carl Spitzweg war Hitlers Lieblingsmaler. Das Bild, das Bendel unter Zwang der Nazis zu einem Spottpreis verkaufen musste, sollte in das geplante Führermuseum nach Linz gebracht werden. Der Verkaufspreis war niedrig, sodass Freiwilligkeit ausgeschlossen werden kann. Zwar hat Bendel theoretisch sein Eigentum an die Nazis übertragen. Aber unter diesem Kontext ist das natürlich mehr als zynisch. Heute spricht man von NS-verfolgungsbedingtem Verlust. Niemand hätte das Werk für diesen Preis verkauft. Die Ironie dabei ist, dass das Bild einen hochpolitischen Inhalt hat: Zu sehen ist eine Justitia mit verrutschter Augenbinde und kaputter Waage. Im Hintergrund lugt ein Wachmann um die Ecke. Die Aussage ist deutlich: Die Gerechtigkeit bröckelt.Als die Alliierten endlich die Oberhand im Krieg gewannen, wurde das Werk von den Nazis mit anderen Gemälden in einem Bergwerk versteckt, um es vor Bombeneinschlägen zu schützen. Später wurde es dann von alliierten Monuments Men gefunden und zum Central Collecting Point der Alliierten nach München gebracht. Dort konnte man aufgrund eines Schreibfehlers den Besitzer nicht mehr feststellen. So kam das Bild dann erst zum bayrischen Ministerpräsidenten und dann später, 1961, in die Villa Hammerschmidt des Bundespräsidialamtes, wo es bis 2006 die Amtsräume von acht Bundespräsidenten schmückte – von Heinrich Lübke bist Horst Köhler.
:devider:
Wahnsinn!
Auch das ist eine Pointe, dass das Werk so lange im Bundespräsidialamt hing! 2006/2007 wurde dann ein Antrag zur Restitution gestellt, dem Horst Köhler auch stattgegeben hat. Aber dann ging es noch einmal richtig los.
:devider:
Wie meinst Du das?
Es dauerte noch einmal zwölf Jahre, bis das Bild dann 2019 an die rechtmäßigen Erben ging. Köhler hatte den Antrag zwar unterzeichnet. Allerdings zeigte der deutsche Beamtenapparat dann sein hässliches Gesicht und stellte immer neue juristische und bürokratische Hürden. Die Nichte der Frau des Besitzers Leo Bendel war rechtmäßige Erbin. Sie ist während des Restitutionsprozesses allerdings verstorben. So musste ein neuer Erbantrag gestellt werden. Und vonseiten der Bürokratie kamen Forderungen nach der Geburtsurkunde von Leo Bendel. Seine Geburtsstadt in Polen wurde von den Nazis dem Erdboden gleich gemacht. Wie soll man da eine Geburtsurkunde einholen?Der Besitzerin des Auktionshauses Neumeister und Goldmann PR war es wichtig, dafür zu kämpfen, solche Hürden abzubauen und gemeinsam mit der Politik solche Restitutionsprozesse produktiver zu gestalten. Darum haben wir auch eine Tagung mit unterschiedlichen Akteuren und Interessensgruppen dazu veranstaltet, um eine zielführende Diskussion zu ermöglichen.
:devider:
Vielen Dank, Simon!
Bringing Light to Nazi-looted Art within the Art Sector / Art Trade
In today’s expert-talk, I am speaking with Simon Braun about the art sector, Nazi-looted art and the spectacular restitution case of Carl Spitzweg’s Justitia (Lady Justice), a painting from the Late-Romantic and Biedermeier era. Simon is a young professionalworking in cultural management. In 2019 and 2020, he played a decisive role in the communication campaign for the restitution and auction of Justitia, which after a long time was returned to its rightful heirs at last.
Simon, as a lay person you only ever hear about the art sector when an artwork is auctioned for a staggering amount of money. Can you give as us an elevator pitch on what the art trade looks like as an economic sector?
You can generally divide the art sector into two areas: the primary market and the secondary market. The primary market consists of collectors and galleries. Galleries represent artists and artists produce the goods, economically speaking. Collectors put the works on their walls: as future investment, expression of a lifestyle or simply because they identify with the artwork. The secondary market is made up of art dealers and auction houses. In 2018, the total revenue in the art sector amounted to 67 billion euros worldwide and around two billion euros in Germany. The market is dominated by the USA, China and the UK. The auction market alone had a revenue of 30 billion euros in 2018. There are very few big players and many small ones – but hardly anything in between.
:devider:
How did the Covid-19 lockdown impact auction houses?
There already had been online auctions before Covid-19. During the lockdown, many houses began to expand them. Still, both sellers and buyers are largely unanimous: What makes the appeal of an auction is the live-action in the room. Our auction of Carl Spitzweg’s Justitia was one of the first auctions in front of an audience after the shutdown. The house went for a hybrid-solution: a part of the bidders was physically present, the other part could bid online.
:devider:
Surely, high prices in the art trade must attract many forgers who try to sell their fake masterpieces? I remember Han van Meegeren, who sold multiple fake Vermeer-paintings during the 1930s and 1940s – to the leading Nazi politician Herman Göring, among others.
Art forgery has indeed become a kind of profession – for people who want to benefit from the market and the money in it. This ranges from faking signatures to creating completely new paintings which are then declared as rediscovered works, as in the case of Han van Meegeren or, more recently, Wolfgang Beltracchi. Of course, this rather falls in the category of organized crime: apart from the fake painting, you would need an attorney or third-party assessor as well as a gallerist who represents the work – and these experts are held to act to the best of their knowledge and belief, which most of them do. The art market today is highly professional. These stories of forgery are known and so every museum and auction house has its own experts for different genres, eras, artists or techniques. They are detective-like scientists who X-ray canvases and analyse their colour pigmentation. Fakes cannot be stopped completely, but it is getting harder and harder for forgers.
:devider:
During National Socialism, the Nazis looted many works of art. Above all, the victims were persecuted Jews. Estimates range at around 600.000 stolen works. What does the process of returning the works to their rightful owners (restitution) look like?
photo credit: AP/National Archives and Records Administration
This photo provided by The Monuments Men Foundation for the Preservation of Art of Dallas, shows Monuments Man James Rorimer, with notepad, as he supervises American GI's hand-carrying paintings down the steps of the castle in Neuschwanstein, Germany in May of 1945.
Today, we still count around 100.000 works with ambiguous provenance. There are databanks and institutions such as the German Lost Art Foundation who deal with these issues. However, restitution proves to be a rather difficult legal contention around the issue of property – deeply intertwining with human fates. As a basis, the Washington Principles, an international self-commitment to come to terms with and solve these cases, have been enacted. Additionally, Germany has published a recommendation providing practical steps on how to handle works with unclear provenance.Legally however, they are hardly binding at all. Above all else, it comes down to the current owner’s free will. After clarifying the ownership claims, the return of a painting can be demanded. However, original entitlement to possession expires after 30 years. In reality, these cases turn out to be extremely difficult and lengthy, which is why in the end they are often resolved in settlements out of court.The German government has an office for provenance research with a yearly budget of 2 million euros, which solely traces out such cases. By now, there are also dedicated university departments and both private and institutional investigators. Every larger museum has its own provenance researcher. Usually, those are art historians or lawyers. In our case, a team of researchers dug through files and records in half of Europe in order to discover the exact provenance of Justitia.
:devider:
Tell us the restitution story of Justitia
Carl Spitzweg, „Justitia“, 1857 / Quelle: Neumeister/Christian Mitko
Goldmann Public Relations is a leading PR-agency in the Arts & Culture sector with offices in Berlin, Munich and Zurich. The firm acts as a mediator and communicator between the sectors of art, business and the media. During my employment, Neumeister Auctioneers, Munich approached us. After succeeding her father in managing the house, the owner had its entire history researched and made transparent. Nearly every auction house that existed or was allowed to exist during National Socialism, has some dark sides to its history. Likewise, Neumeister discovered highly sensitive material in its basement. Wishing to treat the material as transparently as possible, the owner decided to let scientists research the house’s history as well as the provenance of significant works and to make them public. This way, the auction house became a pioneer in dealing with Nazi-looted art, since many other houses often ignore unexplained parts in the provenance of its artworks. Until then, the issue had been more or less taboo.
:devider:
What mission did the auction house entrust to you?
Neumeister was confronted with the case of Justitia. They wanted to make its history publicly transparent, but did not know how. So we helped them tell the story and find productive ways of dealing with the issues surrounding it. The main goal was to narrate the history of its ownership and clarify who rightfully owns it.
:devider:
What is the story behind the artwork?
Carl Spitzweg’s painting Justitia is a case of Nazi-looted art that exemplifies the drama as well as the scale and consequences, but also the potential for development that lie in the field of provenance research. Looking closer, we discover a painting whose original owner – the Jewish art collector Leo Bendel – was forced to flee and who eventually died in a concentration camp.
Leo und Else Bendel kurz nach ihrer Ankunft in Wien. (Foto: Privatarchiv / Karl-Werner Quarg / Elisabeth Sandmann Verlag)
Carl Spitzweg was Hitler’s favourite painter. The work, that Bendel sold under duress of the Nazis at a ridiculous price, was intended to feature in Hitler’s planned ‘Führermuseum’ in Linz, Austria. The price was low, therefore the possibility of a voluntary sale can be excluded. On a theorical level, Bendel did transfer his property to the Nazis. In this context, such an assumption would of course be cynical. Today, we describe this as a loss resulting from persecution. No one would have given away the work unless pressurized by such circumstances. The irony is that the painting has a highly political subject matter: it depicts a statue of Lady Justice whose blindfold has slipped and whose scales are broken. In the background, a police officer suspiciously lurks at the viewer. The message is clear: justice is disintegrating.When the Allied forces gained the upper hand in the war, this work and other paintings were hid away by the Nazis in an abandoned mine to protect them from the bombs. Later, allied Monuments Men discovered it and brought it to the american Central Collecting Point in Munich. Due to an error in spelling, the owner could not be determined. Subsequently, the painting was handed to the Bavarian Prime Minister and then later, in 1961, to the Villa Hammerschmidt – the Office of the German Federal President – where it decorated the offices of eight Federal Presidents: from Heinrich Lübke to Horst Köhler.
:devider:
Unbelievable!
Quite ironic indeed, that the work hung on the walls of the German Federal President for such a long time. In 2006/2007, the rightful heirs filed a claim for restitution, which was granted by Horst Köhler. But then, things really took off once more.
:devider:
How do you mean?
It would take another twelve years until the painting was returned to the rightful heirs in 2019. Köhler did grant the restitution, but then German bureaucracy revealed its true face and posed ever new legal and administrative obstacles. The niece of Leo Bendel’s wife was the rightful heir. However, she passed away during the restitution process. A new application for inheritance had to be filed. The bureaucracy insistently demanded a birth certificate of Leo Bendel, whose native town in Poland had been eradicated to the ground by the Nazis. How should you come up with a birth certificate there?It was a concern of the auction house Neumeister and of Goldmann Public Relations to fight for the removal of such barriers and, in collaboration with political actors, to increase the productivity of restitution processes. This is why we also hosted a conference with various actors and stakeholders on the matter, in order to enable a goal-oriented discussion.
:devider:
Thank you very much, Simon!
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February
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2026
Get your shit done before it gets you done
Es klingt hart. Ist es auch.
Aber es ist die Wahrheit:
Wenn du deine Dinge nicht regelst, regeln deine Dinge dich.
Wenn du nicht gestaltest, wirst du gestaltet.
Wenn du nicht entscheidest, wird für dich entschieden.
Und das ist selten zu deinem Vorteil.
Wir leben in einer Zeit, in der sich viele Menschen in Meetings, Analysen, Abstimmungen und PowerPoint-Folien verstecken. Es wird diskutiert, bewertet, geprüft, hinterfragt. Noch eine Schleife. Noch eine Validierung. Noch ein Gutachten. Und währenddessen zieht der Markt vorbei. Kunden entscheiden sich. Wettbewerber handeln. Chancen verdampfen.
Die Welt gehört nicht den Perfektionisten.
Sie gehört den Machern.
Entweder du veränderst – oder du wirst verändert
Stillstand ist eine Illusion. Es gibt kein „Wir warten erstmal ab“. Wer wartet, verliert Dynamik. Wer zaudert, verliert Einfluss. Wer hofft, dass sich Probleme von selbst lösen, wird irgendwann vom Problem gelöst.
Unternehmen scheitern nicht, weil sie zu schnell entscheiden.
Sie scheitern, weil sie zu lange zögern.
Veränderung ist kein Workshop-Format. Veränderung ist eine Entscheidung mit Konsequenz. Und diese Entscheidung muss oft getroffen werden, bevor alle Informationen auf dem Tisch liegen.
Genau hier trennt sich Management von Beschäftigungstherapie.
Ich sage es seit Jahren sehr klar:
„Management ist die Fähigkeit, mit 80 % Informationen eine 100 % Entscheidung zu treffen, während Nicht-Manager versuchen, mit 110 % Informationen vielleicht eventuell eine 80 % Entscheidung zu treffen.“
Das ist der Unterschied.
Manager übernehmen Verantwortung unter Unsicherheit.
Nicht-Manager produzieren Sicherheit unter Verantwortungslosigkeit.
Perfektion ist oft nur Angst in einem besseren Anzug
„Wir brauchen noch mehr Daten.“
„Wir sollten das Risiko minimieren.“
„Lass uns das nochmal prüfen.“
Klingt professionell. Ist aber häufig nur Angst.
Angst, falsch zu liegen.
Angst, kritisiert zu werden.
Angst, die Verantwortung zu tragen.
Doch Führung heißt nicht, keine Fehler zu machen.
Führung heißt, Entscheidungen zu treffen – und die Konsequenzen zu tragen.
Wer immer nur auf 110 % Informationslage wartet, wird nie handeln. Denn 110 % gibt es nicht. Es gibt immer Unsicherheit. Es gibt immer Risiko. Es gibt immer Variablen, die du nicht kontrollierst.
Die Frage ist nicht, ob du genug weißt.
Die Frage ist, ob du bereit bist, Verantwortung zu übernehmen.
Dein Backlog führt dich – wenn du ihn nicht führst
Unerledigte Themen verschwinden nicht.
Sie stauen sich.
Offene Entscheidungen.
Unausgesprochene Konflikte.
Nicht geklärte Rollen.
Strategien ohne Umsetzung.
Das alles kostet Energie. Jeden Tag. Unterbewusst.
Irgendwann kippt das System. Dann bist du nicht mehr Gestalter, sondern Getriebener. Dann reagierst du nur noch. Dann löschst du Feuer, die du vor Monaten hättest verhindern können.
Get your shit done.
Das ist kein Motivationsspruch. Das ist eine Überlebensstrategie.
Die Welt gehört den Machern
Macher sind nicht die Lautesten.
Nicht die Aggressivsten.
Nicht die Rücksichtslosesten.
Macher sind die, die entscheiden.
Die Verantwortung übernehmen.
Die handeln, obwohl nicht alles klar ist.
Sie wissen: Geschwindigkeit schlägt Perfektion.
Klarheit schlägt Konsens.
Verantwortung schlägt Ausreden.
In einer Welt, die immer komplexer wird, ist Handlungsfähigkeit die entscheidende Kompetenz. Nicht Wissen. Nicht Analyse. Nicht Zertifikate.
Handlungsfähigkeit.
Und die beginnt mit einem simplen Prinzip:
Räume auf. Entscheide. Handle. Jetzt.
Fazit: Disziplin schlägt Drama
Wenn du deine Themen nicht aktiv angehst, werden sie sich gegen dich richten. Märkte sind brutal ehrlich. Organisationen sind träge. Menschen sind bequem.
Deshalb braucht es Führung.
Deshalb braucht es Klarheit.
Deshalb braucht es Macher.
Du hast immer zwei Optionen:
Du veränderst die Dinge.
Oder die Dinge verändern dich.
Es gibt keinen dritten Weg.
Also:
Triff die Entscheidung.
Übernimm die Verantwortung.
Mach den Schritt.
Bevor es dich erledigt.
Wenn jemand in meine Bibliothek schaut, sieht er nicht nur Bücher. Er sieht Interessen. Fragen. Themen, die mich beschäftigen. Eine Bibliothek entsteht nicht zufällig – sie wächst mit dem, was einen prägt.Und jetzt stell dir deine eigene Spotify-Playlist vor. Was ist dort drin? Instrumental? Rap? Punk Rock? Klassik? Jazz? Oder doch Podcasts?Auch das sagt etwas über dich. Über deinen Rhythmus. Deine Energie. Deine Vorlieben.Genauso ist es mit Marken.Die Marken, die mich begleiten, sind nicht zufällig gewählt. Sie sind über Jahre geblieben. Sie stehen für Qualität, Haltung und Ästhetik. Manche sind Klassiker, manche persönliche Entdeckungen.So z.B.Ein Polo Ralph Lauren Rugby-Shirt. Ein Lamy-Füller. Ein Parfum von Maison Francis Kurkdjian. La Durée Macarons. Versace.Das sind Dinge, die mich begleiten. Und die etwas über meinen Geschmack und meine Werte erzählen.Mit !AYCONs ICONS teile ich diese Auswahl.Ich lade dich ein, einen Blick darauf zu werfen und zu wählen: Mit welchen dieser Marken kannst DU dich am stärksten identifizieren? Welche sprechen dich persönlich am meisten an?!AYCONs ICONS UmfrageUnter allen Teilnehmenden verlosen wir ausgewählte Stücke aus dieser Auswahl – als Zeichen der Wertschätzung für deine Teilnahme.Und jetzt bin ich gespannt: Welche Marke würdest du für dich wählen?
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Eine Bibliothek sagt alles über Dich. Ebenso die Marken, die dich umgeben!
Eine Bibliothek sagt alles über Dich. Ebenso die Marken, die dich umgeben!
EXPERTEN TALK: Sichtbar und authentisch
Ein Gespräch über die Macht von Video, künstliche Intelligenz und warum Technik das Leben bereichern muss.
Interview: Ulvi I. Aydin mit Simon Doser
In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne von Goldfischen oft als Benchmark für Social-Media-User herangezogen wird, ist es für Unternehmen überlebenswichtig, nicht nur gesehen, sondern auch „gefühlt“ zu werden. Simon Doser, Gründer von STARSCAN und Visionär im Bereich Videomarketing, hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese emotionale Brücke zu schlagen. Vom Audio Engineer an den Mischpulten großer Musikproduktionen über die Talentschmiede von Apple bis hin zum eigenen Unternehmen im Allgäu: Simon Dosers Weg ist geprägt von der Suche nach dem perfekten Ausdruck. Im Gespräch mit Interim-Manager Ulvi I. Aydin erklärt er, warum Videos heute „Chefsache“ sind, wie künstliche Intelligenz kreative Prozesse revolutioniert und warum am Ende immer eine gute Heldengeschichte über den Erfolg entscheidet. KAPITEL 1: Der Weg zum visuellen Storyteller
Ulvi I. Aydin: Simon, wir sitzen hier im schönen Allgäu, dem Sitz deiner Agentur STARSCAN. Wenn ich mir deinen Werdegang ansehe, dann war dieser Weg alles andere als linear. Viele kennen dich heute als den „Video-Strategen“, aber deine Wurzeln liegen eigentlich ganz woanders. Nimm uns mal mit zurück an den Start.
Simon Doser: Das stimmt, Ulvi. Wenn man es genau nimmt, begann alles mit dem Hören, nicht mit dem Sehen. Nach meinem Abitur war für mich klar: Ich will in die Medienwelt, aber damals faszinierte mich vor allem der Ton. Ich habe an der SAE in München Audio Engineering studiert. Dort habe ich gelernt, dass Präzision und Emotion untrennbar zusammengehören. Auch wenn ich heute visuell arbeite: Der Ton ist das Fundament jeder guten Geschichte. Wenn der Klang nicht stimmt, erreicht das Bild das Herz nicht.“ „Nach dem Studium führte mein Weg zu Red Rock Productions in Tutzing, direkt in den Kosmos von Leslie Mandoki. Ich war dort im Event-Bereich tätig und habe hautnah miterlebt, wie Projekte auf absolutem Weltklasse-Niveau realisiert werden. Diese Zeit war meine Schule für Perfektion: Ich habe gelernt, dass bei einer Inszenierung jedes Detail sitzen muss und dass 'gut' einfach nicht gut genug ist. Diese kompromisslose Leidenschaft für Qualität hat mich nachhaltig geprägt.“ Ulvi I. Aydin: Und trotzdem hast du die Musikbranche verlassen. Warum?
Simon Doser: Mein Ziel war es damals, Musikmanager zu werden, weshalb ich für ein BWL-Studium nach Köln ging – in die Stadt, in der das mediale Herz schlägt. Doch während der Vorlesungen merkte ich schnell: Die reine Theorie war mir zu trocken. Mein Drang, selbst zu erschaffen, zu gestalten und aktiv in die Produktion einzugreifen, war viel stärker als das Interesse an reinen Management-Strukturen. Diese Phase war rückblickend betrachtet sehr schmerzhaft aber auch enorm lehrreich für mich. 2011 führte mich mein Weg dann zurück nach München, zu Apple Retail Germany. Ich startete als „Specialist“ und merkte schnell, dass es mir Spaß macht, den Leuten zu erklären, was sie mit diesen Geräten eigentlich erschaffen können. Ulvi I. Aydin: Das war der Moment, in dem du vom Verkäufer zum „Creative“ wurdest?
Simon Doser: Exakt. Apple hat diese wunderbare Position des „Creative“. Das sind Trainer, die Kunden nicht nur die Technik erklären, sondern ihnen zeigen, wie sie ihre Visionen umsetzen. Wie schneide ich einen Film? Wie bearbeite ich Fotos? Wie komponiere ich einen Song am iPad?
Dort habe ich fast ein Jahrzehnt lang hunderte Menschen geschult. Ich habe gelernt, komplexe technische Vorgänge so einfach zu erklären, dass jeder sie versteht. Aufgrund meines Gespürs für Menschen und Methodik wurde ich zum Creative Pro befördert. In dieser Position war ich nicht mehr nur für die Kunden verantwortlich, sondern primär für die Ausbildung und Motivation der anderen Creatives. Ich habe ihnen beigebracht, wie man Wissen so vermittelt, dass es nicht nur verstanden, sondern erlebt wird. Es ging darum, die Didaktik zu verfeinern und ein Team zu führen, das tagtäglich Menschen begeistern sollte. Diese Phase hat meine Leidenschaft für das Mentoring und die strategische Wissensvermittlung massiv gestärkt – Fähigkeiten, die heute das Fundament meiner Arbeit bei STARSCAN und meiner Ausbildungsprogramme bilden.
Und genau da haben wir uns ja auch kennengelernt, Ulvi. Du warst einer dieser Kunden, die mehr wollten als nur „Wie geht das an?“. Ulvi I. Aydin: Oh ja, daran erinnere ich mich gut. Ich wollte die „Advanced Skills“. Du hast in deinem Buchbeitrag zu „Chefsache Netzwerken“ einen Satz geschrieben, der hängen bleibt: „Videos sind die Schnittstelle zwischen menschlichen Bedürfnissen und der digitalen Geschäftswelt.“ Was meinst du damit konkret?
Simon Doser: Ja das stimmt! Wir leben in einer Welt, die zunehmend anonymisiert wird. Wir kaufen online, wir buchen Dienstleistungen per App oder KI. Aber tief in uns drin sind wir immer noch soziale Wesen. Wir wollen wissen, wer hinter einer Marke steckt. „People buy people“ – Menschen kaufen von Menschen.
Ein Text auf einer Website kann perfekt formuliert sein, aber er transportiert keine Mimik, keine Gestik, keine Stimmlage. Ein Video tut genau das. Es schafft Vertrauen, noch bevor der erste Handschlag (oder Zoom-Call) stattgefunden hat. Wenn ich dich in einem Video sehe, wie du sprichst, wie du dich bewegst, dann baue ich unterbewusst sofort eine Beziehung auf. Ich entscheide innerhalb von Sekunden: Ist mir dieser Mensch sympathisch? Kompetent? Authentisch?
Ulvi I. Aydin: Also geht es gar nicht primär um die Information, sondern um die Emotion?
Simon Doser: Es geht um beides. Aber die Emotion ist der Türöffner. Viele Unternehmen machen den Fehler, Videos wie Beipackzettel zu behandeln. Langweilig, faktisch, trocken.
Ein gutes Video muss in den ersten Sekunden „catchen“. Wir brauchen eine Hook, einen Haken. Einen guten Grund, warum mir der Zuschauer Aufmerksamkeit schenken soll. Und das in wenigen Sekunden. Wenn ein Video beginnt mit „Hallo, mein Name ist Michael Müller, ich bin Geschäftsführer der XY GmbH“, dann haben 95% der Zuschauer schon weggescrollt. Das interessiert niemanden.
Du musst den Zuschauer emotional abholen. Welches Problem hat er? Welche Lösung bietest du? Und das verpackt in eine Geschichte.
Ulvi I. Aydin: Das bringt uns zu deinem Ansatz des Storytellings. Du sprichst oft von der „Heldengeschichte“.
Simon Doser: Genau. Das ist ein uraltes Prinzip, das wir aus Hollywood kennen, aber es funktioniert genauso im B2B-Marketing. In jedem guten Video gibt es einen Helden. Und – das ist der wichtigste Punkt – der Held ist nicht das Unternehmen. Der Held ist der Kunde!
Das Unternehmen ist der Mentor, der Guide, der dem Helden das Werkzeug an die Hand gibt, um sein Problem zu lösen. In unseren Onboarding Gesprächen frage ich meine Kunden manchmal: „Welchen Endgegner killst du für deine Kunden?“
Wenn wir das herausgearbeitet haben, bauen wir die Story. Der Kunde hat ein Problem (den Endgegner), er trifft auf dich (den Mentor), bekommt einen Plan (dein Produkt/Dienstleistung) und erreicht am Ende den Erfolg. Das ist eine Struktur, die unser Gehirn liebt. KAPITEL 3: Die Kunst der Produktion
Ulvi I. Aydin: Lass uns mal in die Praxis eintauchen. Du betonst oft die Ästhetik, den „Look“. Ist das nicht nur Kosmetik?
Simon Doser: Auf keinen Fall. Ästhetik ist Kommunikation. Nimm das Thema Color Grading. Farben steuern direkt unsere Emotionen. Erinnerst du dich an den Film „Joker“? Die Farben dort waren grünlich, düster, krankhaft – das erzeugt Unbehagen. Oder der berühmte „Teal and Orange“-Look aus Actionfilmen: Das kühle Blau (Teal) im Hintergrund lässt die warmen Hauttöne (Orange) der Schauspieler strahlen. Das schafft Fokus und Dynamik.
Wir nutzen diese Techniken gezielt für unsere Kunden. Ein Imagefilm für eine Wellness-Oase braucht ein anderes Color Grading als ein Recruiting-Video für ein Tech-Startup.
Ulvi I. Aydin: Und welche Rolle spielt der Ton? Du kommst ja ursprünglich aus dem Audio-Bereich.
Simon Doser: Der Ton ist das halbe Bild. Das ist kein Spruch, das ist Fakt. Du kannst ein Video mit schlechtem Bild, aber gutem Ton schauen – das funktioniert. Aber ein brillantes Bild mit verrauschtem, schlechtem Ton? Das schaltet jeder sofort ab.
Musik ist der emotionale Teppich. Ich kann dieselbe Szene mit drei verschiedenen Musikstücken unterlegen und erzeuge drei völlig unterschiedliche Wirkungen: Drama, Komödie oder Inspiration. Bei STARSCAN legen wir extrem viel Wert auf Sounddesign und die richtige Musikauswahl.
Ulvi I. Aydin: Du lachst ja immer, wenn ich sage: „Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“ Warum genau findest du diese Redewendung so spannend?
Simon Doser: Er trifft einfach den Nagel auf den Kopf. Ich haben ihn schon hunderte mal wiederholt. Er beschreibt den größten Schmerzpunkt vieler Unternehmen. Sie sind verliebt in ihre eigenen Produkte. Sie wollen jedes technische Detail, jedes Feature im Video haben. Aber den Kunden – den Fisch – interessiert das oft gar nicht. Ihn interessiert: „Was habe ich davon?“.
Wir helfen dem Angler (dem Unternehmen), den Köder so zu gestalten, dass der Fisch anbeißt. Das bedeutet oft: Weniger Ego, mehr Kundennutzen. Weg von „Wir sind die Besten seit 1850“ hin zu „So machen wir dein Leben heute besser“. KAPITEL 4: KI als Superkraft & Effizienz
Ulvi I. Aydin: Ein Thema, das gerade die ganze Welt bewegt, ist Künstliche Intelligenz. Du sprichst ja viel über KI und die Veränderungen, die damit einhergehen. Viele Kreative haben Angst davor. Du scheinbar nicht.
Simon Doser: Nein, überhaupt nicht. Ich sehe KI nicht als Konkurrenz, sondern als Superkraft. Technik ist für mich nur dann gut, wenn sie das Leben bereichert. Das habe ich schon bei Apple so gehalten und das gilt für KI erst recht.
Wir nutzen KI-Tools mittlerweile bei fast allen Arbeits-Prozessen. Bei der Ideenfindung, bei der Zielgruppenanalyse – Die KI hilft uns dabei, die Sprache der Zielgruppe perfekt zu treffen. Doch jetzt kommt das große Aber: Die KI liefert uns das Skelett, die Struktur, das technisch Perfekte. Aber das Herz, den lebendigen Schlag – den müssen wir selbst hinzufügen.
Am Ende des Tages bleibt die KI ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger. Sie ist heute das, was früher die Schreibmaschine oder Photoshop waren: eine enorme Erleichterung, aber kein Selbstzweck. Wir dürfen eines nicht vergessen: Ein Hammer baut kein Haus – das tut der Handwerker. Der Handwerker hat die Vision, er spürt das Material und er weiß, warum er das Haus bauen möchte.
Ulvi I. Aydin: Geht bei der ganzen KI-Thematik nicht die menschliche Note verloren?
Simon Doser: Im Gegenteil. Wir delegieren die Fleißarbeit – Transkription, Rohschnitt, Untertitel – an die Maschine, um genau die Zeit zu gewinnen, die keine KI ersetzen kann: für Empathie, Intuition und das echte, zwischenmenschliche Gespür am Set. Ich nutze KI nicht als Ersatz, sondern als Hebel für menschliches Potenzial. Wir müssen verstehen: KI ist kein flüchtiger Trend, sie ist das neue Betriebssystem unserer Realität. Wer darauf wartet, dass der Hype abflaut, verpasst den Anschluss. Hört auf, sie als Spielerei zu betrachten – sie ist unser neuer Alltag.
Mein Appell: Werdet Piloten, nicht Passagiere. Wer lernt, diese Tools zu führen, wird nicht ersetzt – er wird befreit, um wieder wirklich kreativ zu sein. Die Welt hat sich weitergedreht; es liegt an uns, die Segel in den neuen Wind zu hängen. Neugier ist heute die entscheidende Hard-Skill. Ulvi I. Aydin: Das klingt nach einem neuen Geschäftsfeld. Du bietest jetzt auch Ausbildung an?
Simon Doser: Richtig. Unter dem Label „Skill Me Now“ bieten wir Weiterbildungen an, die sogar staatlich gefördert sind (AZAV). Während STARSCAN (We create for you) die Produktion übernimmt, befähigen wir bei „Skill Me Now“ Unternehmen und Einzelpersonen, selbst Content zu erstellen.
Wir zeigen ihnen, wie sie mit dem Smartphone professionell filmen, wie sie KI im Marketing nutzen und wie sie ihre eigene Sichtbarkeit in die Hand nehmen. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe. KAPITEL 5: Zeitmanagement für Unternehmer
Ulvi I. Aydin: Ein häufiger Einwand, den ich von meinen Mandanten höre: „Videos? Dafür habe ich keine Zeit.“ Was antwortest du denen?
Simon Doser: Ich antworte: „Du hast keine Zeit, es nicht zu tun.“ Aber ich verstehe den Punkt. Unternehmer sind „busy“. Deswegen haben wir bei STARSCAN die Stapelproduktion (Batch Production) perfektioniert.
Wir blocken einen einzigen Drehtag. An diesem Tag produzieren wir Material für drei bis sechs Monate Social Media Content. Wir planen alles minutiös vor – mit Tools wie ASANA oder Trello. Am Drehtag selbst muss der Kunde nur noch „performen“.
Ulvi I. Aydin: Und wenn der Kunde kamerascheu ist?
Simon Doser: Fast jeder ist am Anfang nervös – das ist völlig menschlich. Genau hier kommt mein Team ins Spiel. Wir sehen uns nicht nur als Techniker, sondern als Gastgeber und Mentoren. Wir sorgen für den entscheidenden Wohlfühlfaktor.
Mein Team kümmert sich beim Dreh wirklich um alles: Das geht weit über die Kameraeinstellung hinaus. Vom professionellen Make-up über das Haar-Styling bis hin zur Feinabstimmung der Garderobe – wir lassen nichts dem Zufall überlassen. Aber der eigentliche Zauber passiert auf einer anderen Ebene: Wir arbeiten gemeinsam an der Körpersprache und geben Sicherheit im Auftreten.
Es ist dieser psychologische Effekt: Wenn du in den Spiegel schaust und dich in deiner Haut – und in deinem Look – absolut wohlfühlst, verändert das deine gesamte Aura. Du sprichst anders, du wirkst präsenter, du strahlst eine natürliche Autorität aus. Wir halten dir den Rücken komplett frei und schaffen eine Atmosphäre, in der du dich fallen lassen kannst. Denn nur wer sich sicher fühlt, kann vor der Kamera wirklich authentisch sein. Am Ende sorgen wir dafür, dass du dich nicht nur gut präsentierst, sondern dich auch während des gesamten Prozesses verdammt gut fühlst. Wir nutzen Teleprompter, wenn Textsicherheit gefragt ist. Aber noch lieber arbeite ich mit Interview-Techniken. Ich verwickle den Kunden in ein Gespräch, stelle Fragen, lasse ihn aus seiner Expertise erzählen. Dann vergessen die meisten die Kamera komplett. Das Ergebnis ist authentisch, nahbar und glaubwürdig. Wir stellen niemanden schwitzend ins Rampenlicht. KAPITEL 6: Return on Invest & Erfolg
Ulvi I. Aydin: Am Ende des Tages zählt für den Unternehmer der ROI. Rechnet sich das?
Simon Doser: Absolut. Schauen wir uns die Fakten an. Plattformen wie Instagram oder LinkedIn pushen Videos (Reels) massiv. Wer nur Fotos postet, verliert an Reichweite.
Aber es geht nicht nur um Likes. Es geht um Umsatz. Ich habe Kunden, die stecken vierstellige Beträge im Monat in Social-Media-Werbung. Warum? Weil sie am Ende mehr rausbekommen.
Nehmen wir das Recruiting: Ein gutes Video, das die Unternehmenskultur zeigt, spart dir zig teure Headhunter, weil sich plötzlich die richtigen Leute bewerben. Leute, die den „Vibe“ des Unternehmens schon im Video gefühlt haben.
Oder im Vertrieb: Ein Video, das Einwände vorwegnimmt, verkürzt den Verkaufszyklus. Der Kunde kommt schon „vorgewärmt“ ins Gespräch. Das ist bares Geld. KAPITEL 7: Kreativität und Zukunft
Ulvi I. Aydin: Zum Abschluss, Simon: Was bedeutet Kreativität für dich persönlich?
Simon Doser: Kreativität ist für mich Innovation mit einer klaren Botschaft. Es geht nicht darum, Dinge kompliziert zu machen – das wird oft verwechselt. Wahre Kreativität liegt in der Vereinfachung. Eine komplexe Idee so zu verpacken, dass sie jeder versteht und dass sie begeistert.
Für mich bedeutet es, aus dem Bestehenden etwas Neues zu formen, das einen echten Mehrwert bietet. Ob das ein neuer Schnittstil ist, der Einsatz einer KI-Stimme oder einfach nur eine ungewöhnliche Kameraperspektive – solange es der Botschaft dient, ist es gut.
Ulvi I. Aydin: Ein schönes Schlusswort. Simon, ich danke dir für diesen tiefen Einblick.
Simon Doser: Ich danke dir, Ulvi. ZUSATZ-INFOS FÜR DAS LAYOUT (Sidebar & Kästen)
Um die 10 Seiten optisch ansprechend zu füllen, empfehle ich, folgende Elemente als grafische Boxen, Zitate oder Infokästen in den Text einzubauen:
Kasten: Über Simon Doser
• Ausbildung: Diplom Audio Engineer (SAE München)
• Stationen: Red Rock Productions (Tutzing), Apple Retail Germany (München)
• Unternehmen: Founder von STARSCAN Video & Social Media
• Mission: Sichtbarkeit für Unternehmen durch High-End Videoproduktion und strategisches Storytelling.
• Education: Gründer von „Skill Me Now“ (AZAV zertifizierte Weiterbildungen für Social Media, Videografie & KI).
• Privat: Lebt mit seiner Familie im Allgäu, liebt die Berge und die Verbindung von Natur & Technik.
Kasten: Zitate zur Inspiration
"Die Zeit ist ein kostbares Gut, aber nur, wenn du weißt, wie du sie nutzen kannst."
"Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat." – Albert Einstein
Kasten: Die STARSCAN Methode
1. Vision & Strategie: Erstgespräch zur Analyse des „Endgegners“ (Kundenproblem).
2. Konzept & Storytelling: Entwicklung der Heldenreise. Der Kunde ist der Held.
3. Produktion (Der Drehtag): Effiziente Stapelproduktion, Wohlfühlatmosphäre, professionelles Equipment (Licht, Ton, Kamera).
4. Post-Production: Schnitt, Farben, Sounddesign.
5. Distribution: Das richtige Format für den richtigen Kanal (Reels, Website, LinkedIn).
Kasten: Kunden & Partner (Auszug)
• ELITHAIR
• Ameritum
• YesSmile
• Ulvi I. Aydin (Interim Management) Web-Tipps
• Agentur: www.starscan.de – Für Unternehmen, die Ergebnisse wollen.
• Weiterbildungen: www.skillmenow.de – Für alle, die lernen wollen, wie es geht.
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Sichtbar und authentisch
In jedem guten Video gibt es einen Helden.
Und – das ist der wichtigste Punkt – der Held ist nicht das Unternehmen. Der Held ist der Kunde!
Expertentalk: Marktlage, XQI, Einschätzung, Ausblick (2026)MarktlageWie ist die Marktlage gerade wirklich – ist das Glas halbvoll oder halb leer?Die ehrlichste Antwort ist: Es kommt darauf an, in welchen Teilmarkt manschaut. Insgesamt ist es kein Boom-Markt, aber es ist auch kein Kollaps. Vieleempfinden die Stimmung schlechter als die Realität. Es gibt so eine Art„Windchill-Faktor“: Es fühlt sich kälter an, als es tatsächlich ist.Gleichzeitig war der Jahresstart weniger dynamisch als erhofft. Gerade imFinanzbereich gab es früher rund um Jahresabschluss, Closing und Reporting ofteinen spürbaren Nachfrageschub, der ist diesmal nicht in der gleichenIntensität gekommen. Das führt dazu, dass manche das Gefühl haben, es sei„nichts los“, obwohl in Wahrheit viele Projekte laufen, nur eben selektiver undmit längeren Zyklen.Woran merkt man, dass Entscheidungsprozesse heute anderslaufen als früher?Der Unterschied liegt weniger darin, dass Unternehmen keinen Bedarf hätten,sondern darin, wie sie entscheiden. Früher konnte es passieren, dass einVorstand zusammen mit einer Assistenz relativ schnell eine Entscheidung trifft.Heute läuft vieles durch Procurement, Einkauf, manchmal weitere Gremien, unddie Prozesse sind mühsamer und langsamer. Das verlängert die Time-to-Decisiondeutlich. Für Interim Manager bedeutet das: Man darf den Markt nicht am„Gefühl“ messen, sondern muss einplanen, dass Pitches, Freigaben undVertragswege länger dauern als früher.Kommt die Nachfrage eher aus Problemsituationen oder eheraus Wachstumsfeldern?Es ist wirklich beides. Es gibt Unternehmen, die in tiefen Problemsituationensind. Da geht es um Überleben, Stabilisierung, Liquidität, Restrukturierung.Gleichzeitig gibt es Scale-ups oder Infrastrukturthemen, wo Wachstum,Auslastung und Umsetzung im Vordergrund stehen. Das Bild ist nicht mehreindimensional. Manche Branchen stehen unter Druck, andere boomen. Und dieseZweiteilung prägt die Nachfrage stärker als früher.Welche Branchen und Themen sind gerade besonders schwierig?Es gibt Branchen, die sichtbar kämpfen, und Automotive ist ein gutes Beispiel.Dort entstehen Situationen, in denen sogar Zahlungen eng überwacht werden, undman spürt, wie hart die Lage in Teilen ist. Gleichzeitig darf man selbst insolchen Branchen nicht pauschal urteilen, weil es auch dort Teilbereiche gibt,die wieder besser laufen oder sich stabilisieren. Schwierigkeit bedeutet alsonicht „keine Projekte“, sondern oft „andere Projekte“: wenigerAusbringungsoptimierung wie früher, mehr Sanierung, Profitabilität, Struktur.Und wo entstehen gerade klare Chancen und Dynamik?Es gibt Segmente, die spürbar ziehen. Energie ist ein starkes Feld, auch mitsehr konkreten Engpässen: In bestimmten Bereichen, etwa rund umElektrifizierung und Stromversorgung, sind Lieferketten und Kapazitäten soausgelastet, dass die Pipeline für Jahre voll ist. Zusätzlich sieht man Dynamikin Cloud-Themen, Aviation, Defense und Robotik. Diese Segmente können auchandere Bereiche positiv mitziehen, weil sie Investitions- und Umsetzungsthemenerzeugen.Welche Rolle spielt KI in der Marktlage? Ist das nurBuzzword oder echte Nachfrage?Das wird zunehmend real. KI ist nicht nur ein „Trend“, sondern ein echterTransformations- und Effizienzhebel. Es geht darum, dass Unternehmen durch KIneue Möglichkeiten sehen, Prozesse anders zu bauen, Produktivität zu erhöhenund neue Change-Themen anzustoßen. Es wurde auch darüber gesprochen, dass KI ingroßen Volkswirtschaften wie den USA potenziell einen messbaren Wachstumseffekterzeugen kann. Wichtig ist weniger die exakte Zahl, sondern die Richtung: Esentsteht viel Veränderungsdruck und viele neue Aufgaben, die Unternehmen internnicht vollständig abdecken können. Genau daraus entstehen Mandate.Wenn viele sagen „der Markt ist schlecht“ – stimmt dasdann?So pauschal stimmt das nicht. Es gibt Indikatoren, die dagegen sprechen: ZumBeispiel gibt es Suchen für große, anspruchsvolle Rollen, bei denen die„Top-Leute“, an die man zuerst denkt, alle im Projekt sind. Das allein zeigt:Es ist nicht so, dass der Markt am Boden liegt. Was sich verändert hat, ist dieVerteilung und die Geschwindigkeit. Wer in den falschen Segmenten ist oderunklar positioniert, spürt die Lage härter. Wer in den richtigen Themen sitzt,kann sehr gut ausgelastet sein.Wie lange laufen Projekte heute – gibt es mehr Langläufer?Ja, es gibt Projekte, die deutlich länger laufen, als man klassisch mit„Interim“ verbindet. Es gibt Beispiele von Rollen, die über ein Jahr laufen,etwa in CIO-Kontexten. Das sind nicht unbedingt „immer genau dieselbenAufgaben“, aber es zeigt: Wenn jemand gut andockt und die Organisation ständigneue Themen hat, werden Mandate verlängert und können sehr stabil werden. Fürden Markt ist das ein Stabilitätsfaktor, weil es Auslastung sichert.XQIWas ist XQI genau – und warum diese Neuausrichtung?XQI ist im Kern die strategische Antwort auf Marktveränderungen. DieAnforderungen im Interim-Markt haben sich weiterentwickelt: mehr Player, mehrWettbewerb, andere Best Practices, schnellere Innovationsnotwendigkeit. Es gabden Wunsch, sich stärker auf Executive Interim zu fokussieren und BestPractices umzusetzen, die in einem stärker Executive-Search-geprägten Umfeldnicht immer priorisiert werden. Das Ergebnis ist keine „neue Firma“ im Sinn von„alles neu“, sondern eine Umformierung mit dem bestehenden Team, mit dem Ziel,freier investieren, schneller handeln und Interim konsequenter weiterentwickelnzu können.Was ist die übergeordnete Vision dahinter?Die Vision ist, im Premium Executive Interim Segment ein absolut relevanterPlayer zu sein und gleichzeitig eine der besten Reputationen im Marktaufzubauen, so, dass sowohl Interim Executives als auch Kunden sagen: Mit denenwill ich arbeiten. Das ist bewusst nicht der Ansatz „wir machen alles fürjeden“, sondern ein klares Qualitäts- und Level-Verständnis: Fokus auf ersteund zweite Führungsebene, Transformation, Restrukturierung,Post-Merger-Integration und ähnliche Schwerpunkte – und eben nicht dasklassische Low-Budget-Staffing.Warum ist dieser Netzwerk-Ansatz so zentral?Weil Persönlichkeit in Executive Interim entscheidend ist. Es gibt Situationen,in denen nicht das perfekte „LucaNet im Maschinenbau mit exakt 77 MioUmsatz“-Profil den Ausschlag gibt, sondern ob jemand als Persönlichkeit, alsChange-Leader und als Führungstyp in die Organisation passt. Und das kann mannur beurteilen, wenn man Menschen wirklich kennt. Dreimal im Jahr telefonierenreicht dafür nicht. Deshalb setzt XQI stark auf einen netzwerkorientiertenAnsatz, in dem es einen selektiven Kreis gibt, der nicht unendlich wächst,sondern überschaubar bleibt und genau diese Nähe ermöglicht.Wie passt das zur Marktentwicklung, dass es immer mehrInterim Manager gibt?Gerade deshalb ist es wichtig. Wenn es mehr Angebot gibt, wird der Markthärter, und Qualität, Passung und Vertrauen werden wichtiger. Ein selektivesNetzwerk und eine klare Positionierung helfen, nicht im Massenmarktunterzugehen, sondern im Premium-Segment Mehrwert zu liefern – für Kunden undManager.EinschätzungWenn man die Lage insgesamt bewertet: Was sind diewichtigsten Veränderungen verglichen mit „vor zehn Jahren“?Ein zentraler Unterschied ist die Marktdichte. Früher gab es wenigerMarktteilnehmer, weniger Provider-Dynamik, weniger Plattformlogik. Heute gibtes deutlich mehr Menschen, die Interim machen oder damit in Kontakt sind, unddadurch entstehen auch mehr Besetzungen aus unterschiedlichen Richtungen. VieleFührungskräfte kennen heute jemanden im Interim-Markt. In einer Phase, in derviele auf Job-Suche sind oder sich neu orientieren, führt das dazu, dassPositionen nicht mehr „nur“ über wenige große Provider laufen, sondern ausvielen Kanälen.Heißt das, der Wettbewerb steigt automatisch?Ja, der Wettbewerb steigt. Gleichzeitig wächst der Gesamtmarkt auch, weil jedeneue Person im Interim-Markt wieder ein eigenes Netzwerk und neue Zugängemitbringt. Man muss beides sehen: mehr Konkurrenz, aber auch mehr Gesamtvolumenund mehr Wege.Was bedeutet das für Provider – verändert sich auch derenWelt?Absolut. Auch die Provider-Landschaft ist in Bewegung. Es gibt mehrPrivate-Equity-Geld in der Branche, weil der Markt als attraktiv wahrgenommenwird. Das erzeugt Wachstumsdruck, der nicht automatisch positiv ist, weilWachstum auch zu falschen Entscheidungen führen kann. Dazu kommenNachfolgethemen, Fluktuation, Gesellschafterstrukturen und Zielkonflikte, zumBeispiel zwischen Personalberatung/Executive Search und Interim, weil beidesehr unterschiedliche Kulturen und Geschwindigkeiten haben. Und man sieht, dassnicht nur ein Unternehmen sich aus solchen Strukturen herausgelöst hat.Wie haben sich Vertragsmodelle verändert – und warum istdas relevant?Früher war vieles stärker standardisiert. Heute gibt es sehr unterschiedlicheModelle: Sozietäten, bei denen Projekte über die Sozietät laufen müssen;Konstruktionen mit zusätzlichen Lizenzgebühren; Fälle, in denenManager-Überlassung nötig ist; Konstellationen, in denen mehrere Margenübereinanderliegen und es für Kunden sehr teuer wird. Das ist relevant, weil eszeigt: Der Markt ist komplexer geworden, und man muss genau wissen, was manunterschreibt. Auch aus Manager-Sicht ist das zentral, weil Lizenzen, Margenund Haftungsfragen die eigene wirtschaftliche Realität stark beeinflussenkönnen.Wie sollte man als Interim Manager damit umgehen – eherbreit streuen oder fokussieren?Fokussieren. Die Empfehlung ist klar: nicht die Gießkanne, nicht an „alle“.Sinnvoller ist, sich strategisch zu überlegen, mit welchen Partnern manzusammenarbeiten will und wer die Multiplikatoren sind, die einen wirklichkennen sollen. Es geht nicht darum, auf sieben Plattformen zu hoffen, dasseinen jemand findet, wenn ein bestimmtes Tool und eine bestimmte Branchegesucht werden. Entscheidend sind ein paar wenige Menschen, die einen alsPerson einschätzen können: Wie führt man, wie tickt man, wofür ist man wirklichder Richtige?Was sind typische Kriterien, nach denen entschieden wird,ob jemand überhaupt passt?Es geht um Level, um eine nachweislich erfolgreiche Management-Laufbahn und umeine gewisse Stringenz. Wenn jemand vorher nie wirklich erfolgreich in einerFührungsrolle war, ist der Schritt ins Interim oft zu früh. Auch Branchennähekann eine Rolle spielen – nicht weil man nie wechseln darf, sondern weil einProvider nicht in jedem Markt gleich stark ist. Und schließlich zählt einegewisse Klarheit: Wenn jemand sehr sprunghaft zwischen Rollen und Identitätenwechselt, wird es schwerer, ihn sauber zu positionieren.Wie wichtig sind „weiche Faktoren“ wie Persönlichkeit undKommunikation?Extrem wichtig. Klarheit, Verlässlichkeit, Leadership, Zuhören – das sind keineNebensachen, sondern entscheidend fürs Andocken. Gerade weil Interim oft inChange-Situationen stattfindet, sind Führung, Kommunikation undVertrauensfähigkeit zentral. Und genau deshalb ist „Personality Fit“ oftwichtiger als Produktkenntnis. Es gab sogar das konkrete Beispiel: jemand kannfachlich das Produkt nicht kennen, aber die Organisation braucht die Erfahrungund die Führungskompetenz und genau dann funktioniert ein Wechsel in eine neueBranche.Ist ein Branchenwechsel heute schwieriger geworden – odergeht das noch?Es geht noch, aber es hängt stärker vom Zugang ab. In manchen Branchen ist estraditionell schwer, externe Leute reinzubekommen (Automotive wird als Beispielgenannt). Branchenwechsel funktionieren vor allem dann, wenn der Kunde sehr gutbekannt ist, der Fit wirklich verstanden wird und man nicht in einem anonymenPitch mit fünf Kandidaten „irgendwie“ mithalten muss. Je besser der Kunde unddie Situation verstanden sind, desto eher wird auch ein mutiger Branchenmovemöglich.Wie wichtig ist die Online-Präsenz – Website, LinkedIn, CV?LinkedIn wird als sehr wichtig gesehen, weil dort der professionelle Eindruckentsteht. Eine Website ist nicht zwingend Pflicht, kann aber sinnvoll sein –gerade als Unternehmer-Statement und im Kontext Scheinselbstständigkeit. BeimLebenslauf gilt: lieber umfassend als zu kurz, aber klar geführt, mit einersauberen Struktur. Oben sollte sofort stehen, wofür man steht, welche Rollen,welche Branchen, welche Größenordnungen und dann idealerweise die neuestenProjekte zuerst.Wie wichtig sind Zeugnisse und Referenzen?Sehr wichtig. Erstens, weil es Menschen gibt, die Lebensläufe„uminterpretieren“, und deshalb prüfen professionelle Anbieter auchPlausibilität, Abschlüsse, Nachweise. Zweitens, weil Referenzen den digitalenEindruck massiv beeinflussen: Wenn jemand gegoogelt wird und es gibtglaubwürdige Testimonials, stärkt das Vertrauen. Und es hilft nicht nur beim„Ja“, sondern auch dabei, dass jemand besser einschätzen kann, ob der Fitpasst.Und jetzt die Sache, über die alle reden, aber seltenoffen: Tagessätze – was ist realistisch?Es gibt nicht den einen Tagessatz. Bei standardisierten Rollen sind Sätze eherunter Druck. Gleichzeitig gab es in den letzten zehn Jahren insgesamt eindeutliches Wachstum. Die frühere „Grenze“ bei 2.000 Euro ist in vielenSituationen nicht mehr die Obergrenze. Entscheidend ist der Kontext: Wiekomplex ist das Projekt, wie groß ist der Hebel, welche Wertschöpfung entsteht,welches Zeitfenster gibt es? In Private-Equity-Kontexten mit klarerEBITDA-Logik ist der Wertbeitrag oft sehr gut argumentierbar. Gleichzeitiggilt: Weder Manager noch Provider sollten versuchen, alles bis zum Maximumauszureizen, weil das häufig langfristig schadet. Wenn der Satz zu aggressivist, wird der Kunde bei der ersten Gelegenheit beenden. Ein offener Dialogführt meist zu einer Lösung, die für beide funktioniert. AusblickWas ist die realistische Erwartung für 2026 – wird esbesser oder schlechter?Es wird vermutlich nicht „das beste Jahr aller Zeiten“, aber es wird weiterhinattraktiv bleiben. Dass neue Player in den Markt gehen, zeigt: Es kann nichtvöllig unattraktiv sein. Gleichzeitig steigt der Konkurrenzdruck, und das wirdzu Bereinigungen führen, auch bei Providern. Es gibt Namen, die heute großwirken, die aber in fünf Jahren vielleicht nicht mehr als Top-Player geltenwerden. Der Markt wird professioneller, härter und selektiver.Welche Themen werden 2026 besonders treiben?Effizienzsteigerung und Change-Themen werden weiter zunehmen, auch weil KI neueMöglichkeiten schafft und Unternehmen diese Transformation nicht komplettintern stemmen können. Gleichzeitig wird es Wachstumsfelder geben, die durchinternationale Dynamik beeinflusst werden, etwa USA und China. Selbst wennEuropa in Teilen schwächelt, ziehen diese Märkte global mit, und das wirktindirekt auch auf europäische Projekte. Internationale Projekte werdenweiterhin relevant bleiben, oft aus dem DACH-Raum heraus oder in angrenzendenMärkten.Was sind die wichtigsten Takeaways, die man als InterimManager wirklich ernst nehmen sollte?Erstens: Der Markt ist volatil, aber nicht so schlecht, wie er sich anfühlt.Zweitens: Nachfrage entsteht sowohl aus Problemsituationen als auch ausWachstumsfeldern. Drittens: Entscheidungsprozesse dauern länger, man mussGeduld und Pipeline-Management haben. Viertens: Positionierung ist keinMarketing-Gag, sondern Überlebensmechanik – man muss wissen, in welchemTeilmarkt man spielt und welche Multiplikatoren einen kennen sollen.Und alsübergreifendes Schlusswort: Interim sollte man nicht halbherzig betreiben. Wersagt „ich mach das mal bis ich was Festes habe“, unterschätzt den Markt. Ineinem Umfeld, das härter und selektiver wird, gewinnt nicht der, der irgendwieverfügbar ist, sondern der, der klar steht, sichtbar ist, Vertrauen erzeugt unddas Ganze als unternehmerisches Spiel ernst nimmt.
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Interim-Marktupdate 2026: Trends, Nachfrage, Profile – was jetzt zählt
Interim-Marktupdate 2026: Trends, Nachfrage, Profile – was jetzt zählt
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