Strategie, Verhalten und Geld

March
15
,
2026
2026
Ulvi AYDIN
Wenn Strategie zu Geld wird Ein Gespräch mit Dr. Dietrich Schramm über leistungsorientierte Entlohnung Viele Unternehmen investieren erhebliche Energie in Bonusmodelle, Zielsysteme und variable Vergütung. Dennoch bleibt die gewünschte Wirkung häufig aus. Warum das so ist, erläutert Dr. Dietrich Schramm, Beirat der EICON Management Consulting GmbH, im Gespräch mit Ulvi Aydin. Seine zentrale These: Leistungsorientierte Entlohnung funktioniert nur dann, wenn sie konsequent aus der Unternehmensstrategie abgeleitet wird. „Leistungsorientierte Entlohnung ist die Übersetzung der Strategie in Geld.“ Ulvi Aydin: Dietrich, du hast einmal einen Satz formuliert, der häufig zitiert wird: „Leistungsorientierte Entlohnung ist die Übersetzung der Strategie in Geld.“ Was steckt hinter dieser Aussage? Dr. Dietrich Schramm: Der Satz beschreibt einen einfachen, aber oft übersehenen Zusammenhang. Strategie definiert, wohin sich ein Unternehmen entwickeln will und welche Leistungen dafür entscheidend sind. Leistungsorientierte Entlohnung übersetzt genau diese Prioritäten in konkrete finanzielle Anreize. Vergütungssysteme sind deshalb kein administratives Instrument der Personalabteilung. Sie sind ein Führungsinstrument. Sie machen sichtbar, wofür sich Leistung im Unternehmen tatsächlich lohnt. Vergütung als Signal für Verhalten Ulvi Aydin: Das bedeutet also, dass Vergütungssysteme letztlich Verhalten steuern? Dr. Dietrich Schramm: Ja. Menschen orientieren ihr Verhalten nicht nur an Strategiepapiere oder Zielvereinbarungen. Sie orientieren sich auch an den Anreizstrukturen einer Organisation. Was belohnt wird, erhält Aufmerksamkeit. Was nicht belohnt wird, verliert an Bedeutung. Vergütungssysteme senden daher immer ein Signal. Sie zeigen sehr klar, welches Verhalten im Unternehmen tatsächlich erwünscht ist. Warum viele Bonusmodelle scheitern Ulvi Aydin: Trotzdem funktionieren viele leistungsorientierte Vergütungssysteme in der Praxis nicht besonders gut. Woran liegt das? Dr. Dietrich Schramm: In den meisten Fällen liegt das Problem nicht im Vergütungsmodell selbst. Es liegt in der Strategie. Viele Organisationen versuchen, komplexe Bonusmodelle zu entwickeln, ohne vorher klar zu definieren, welche Leistungen für ihren strategischen Erfolg entscheidend sind. Dann entstehen Vergütungssysteme, die Aktivitäten belohnen, aber nicht unbedingt Wert schaffen. Das Ergebnis sind häufig widersprüchliche Anreize. Ohne Strategie keine sinnvolle Entlohnung Ulvi Aydin: Das heißt, eine leistungsorientierte Entlohnung kann nur auf einer klaren Strategie aufbauen? Dr. Dietrich Schramm: Genau. Eine kluge Entlohnung braucht ein solides strategisches Fundament. Wenn ein Unternehmen nicht klar definiert hat, welche Leistungen für seinen Erfolg entscheidend sind, kann es diese Leistungen auch nicht sinnvoll honorieren. In solchen Situationen optimieren Menschen häufig einzelne Kennzahlen, ohne dass ihr Verhalten tatsächlich zur langfristigen Entwicklung des Unternehmens beiträgt. Die Verbindung zu Selbstverantwortung Ulvi Aydin: Viele Organisationen sprechen heute über Selbstverantwortung und unternehmerisches Denken der Mitarbeitenden. Welche Rolle spielt Vergütung in diesem Zusammenhang? Dr. Dietrich Schramm: Selbstverantwortung entsteht nicht durch Appelle oder Leitbilder. Sie entsteht durch Klarheit. Menschen müssen verstehen, welchen Beitrag sie leisten sollen und warum dieser Beitrag wichtig ist. Ein konsistentes Vergütungssystem kann diese Klarheit unterstützen. Wenn Leistung, Verantwortung und strategische Zielerreichung miteinander verbunden sind, entsteht Orientierung. Mitarbeitende erkennen, welche Entscheidungen im Sinne des Unternehmens sind und welche Beiträge tatsächlich Wirkung entfalten. Führung beginnt bei strategischer Klarheit Ulvi Aydin: Wenn du deine Erfahrung aus vielen Jahren Beratung zusammenfasst: Wo beginnt gute leistungsorientierte Entlohnung? Dr. Dietrich Schramm: Sie beginnt nicht im Vergütungsmodell. Sie beginnt bei der Strategie. Viele Unternehmen konzentrieren sich zu früh auf Bonusstrukturen oder Kennzahlen. Die entscheidende Frage lautet jedoch zuerst: Welche Leistungen schaffen für uns wirklich Wert? Wenn diese Frage beantwortet ist, lässt sich auch ein Vergütungssystem entwickeln, das Leistung sinnvoll honoriert. Oder anders gesagt: Leistungsorientierte Entlohnung ist nicht der Ausgangspunkt der Steuerung – sondern ihre Konsequenz. Fazit Der Zusammenhang zwischen Strategie, Verhalten und Vergütung ist klarer, als viele Organisationen glauben. Ein leistungsorientiertes Vergütungssystem kann nur dann wirken, wenn es konsequent aus der Unternehmensstrategie abgeleitet wird. Oder in den Worten von Dr. Dietrich Schramm: „Leistungsorientierte Entlohnung ist die Übersetzung der Strategie in Geld.“
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Wenn Strategie zu Geld wird

Ein Gespräch mit Dr. Dietrich Schramm über leistungsorientierte Entlohnung

Viele Unternehmen investieren erhebliche Energie in Bonusmodelle, Zielsysteme und variable Vergütung. Dennoch bleibt die gewünschte Wirkung häufig aus. Warum das so ist, erläutert Dr. Dietrich Schramm, Beirat der AYCON Management Consulting GmbH, im Gespräch mit Ulvi Aydin.

Dietrich war sehr viele Jahre SVP / Partner der HayGroup, Senior Client Partner der Korn Ferry Hay Group. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr.SchrammInternational Consulting (DSIC) und Ameritum Expert.

Über Dr. Dietrich Schramm:
Dr. Dietrich Schramm ist diplomierter Mathematiker und promovierter Betriebswirt mit Spezialisierungen u. a. im Gehalts- und Changemanagement sowie bei der Optimierung der Unternehmensorganisation und der Personalsysteme.

27 Jahre tätig in der Managementberatung bei HAY Group als Partner und bei Korn Ferry. Fachexpertise auf den integrierten Gebieten Organsisation–Person–Kultur von Unternehmen und Verwaltungen mit dem Schwerpunkt der Organisationsoptimierung (Design und Implementierung) in Einheit mit zukünftigen Wertestrukturen.


Enge und kooperative Zusammenarbeit mit Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsführungen sowie mit Fach-/ Führungskräften und BetriebsrätenEffektivierung der Aufsichtsrats- sowie Beiratstätigkeit – inhaltlich, strukturell und personell.


Verheiratet seit 1976 und Vater eines Sohnes.


Sein Credo: „Erst investieren, dann konsumieren! Lust auf Leistung!“


:devider:

Seine zentrale These: Leistungsorientierte Entlohnung funktioniert nur dann, wenn sie konsequent aus der Unternehmensstrategie abgeleitet wird.

Dr. Dietrich Schramm

„Leistungsorientierte Entlohnung ist die Übersetzung der Strategie in Geld.“

Ulvi Aydin:
Dietrich, du hast einmal einen Satz formuliert, der häufig zitiert wird:
„Leistungsorientierte Entlohnung ist die Übersetzung der Strategie in Geld.“
Was steckt hinter dieser Aussage?

Dr. Dietrich Schramm:
Der Satz beschreibt einen einfachen, aber oft übersehenen Zusammenhang. Strategie definiert, wohin sich ein Unternehmen entwickeln will und welche Leistungen dafür entscheidend sind. Leistungsorientierte Entlohnung übersetzt genau diese Prioritäten in konkrete finanzielle Anreize.

Vergütungssysteme sind deshalb kein administratives Instrument der Personalabteilung. Sie sind ein Führungsinstrument. Sie machen sichtbar, wofür sich Leistung im Unternehmen tatsächlich lohnt.

Vergütung als Signal für Verhalten

Ulvi Aydin:
Das bedeutet also, dass Vergütungssysteme letztlich Verhalten steuern?

Dr. Dietrich Schramm:
Ja. Menschen orientieren ihr Verhalten nicht nur an Strategiepapiere oder Zielvereinbarungen. Sie orientieren sich auch an den Anreizstrukturen einer Organisation.

Was belohnt wird, erhält Aufmerksamkeit.
Was nicht belohnt wird, verliert an Bedeutung.

Vergütungssysteme senden daher immer ein Signal. Sie zeigen sehr klar, welches Verhalten im Unternehmen tatsächlich erwünscht ist.

Warum viele Bonusmodelle scheitern

Ulvi Aydin:
Trotzdem funktionieren viele leistungsorientierte Vergütungssysteme in der Praxis nicht besonders gut. Woran liegt das?

Dr. Dietrich Schramm:
In den meisten Fällen liegt das Problem nicht im Vergütungsmodell selbst. Es liegt in der Strategie.

Viele Organisationen versuchen, komplexe Bonusmodelle zu entwickeln, ohne vorher klar zu definieren, welche Leistungen für ihren strategischen Erfolg entscheidend sind. Dann entstehen Vergütungssysteme, die Aktivitäten belohnen, aber nicht unbedingt Wert schaffen.

Das Ergebnis sind häufig widersprüchliche Anreize.

Ohne Strategie keine sinnvolle Entlohnung

Ulvi Aydin:
Das heißt, eine leistungsorientierte Entlohnung kann nur auf einer klaren Strategie aufbauen?

Dr. Dietrich Schramm:
Genau. Eine kluge Entlohnung braucht ein solides strategisches Fundament.

Wenn ein Unternehmen nicht klar definiert hat, welche Leistungen für seinen Erfolg entscheidend sind, kann es diese Leistungen auch nicht sinnvoll honorieren.

In solchen Situationen optimieren Menschen häufig einzelne Kennzahlen, ohne dass ihr Verhalten tatsächlich zur langfristigen Entwicklung des Unternehmens beiträgt.

Die Verbindung zu Selbstverantwortung

Ulvi Aydin:
Viele Organisationen sprechen heute über Selbstverantwortung und unternehmerisches Denken der Mitarbeitenden. Welche Rolle spielt Vergütung in diesem Zusammenhang?

Dr. Dietrich Schramm:
Selbstverantwortung entsteht nicht durch Appelle oder Leitbilder. Sie entsteht durch Klarheit.

Menschen müssen verstehen, welchen Beitrag sie leisten sollen und warum dieser Beitrag wichtig ist. Ein konsistentes Vergütungssystem kann diese Klarheit unterstützen.

Wenn Leistung, Verantwortung und strategische Zielerreichung miteinander verbunden sind, entsteht Orientierung. Mitarbeitende erkennen, welche Entscheidungen im Sinne des Unternehmens sind und welche Beiträge tatsächlich Wirkung entfalten.

Führung beginnt bei strategischer Klarheit

Ulvi Aydin:
Wenn du deine Erfahrung aus vielen Jahren Beratung zusammenfasst: Wo beginnt gute leistungsorientierte Entlohnung?

Dr. Dietrich Schramm:
Sie beginnt nicht im Vergütungsmodell. Sie beginnt bei der Strategie.

Viele Unternehmen konzentrieren sich zu früh auf Bonusstrukturen oder Kennzahlen. Die entscheidende Frage lautet jedoch zuerst: Welche Leistungen schaffen für uns wirklich Wert?

Wenn diese Frage beantwortet ist, lässt sich auch ein Vergütungssystem entwickeln, das Leistung sinnvoll honoriert.

Oder anders gesagt:

Leistungsorientierte Entlohnung ist nicht der Ausgangspunkt der Steuerung – sondern ihre Konsequenz.

Fazit

Der Zusammenhang zwischen Strategie, Verhalten und Vergütung ist klarer, als viele Organisationen glauben. Ein leistungsorientiertes Vergütungssystem kann nur dann wirken, wenn es konsequent aus der Unternehmensstrategie abgeleitet wird.

Oder in den Worten von Dr. Dietrich Schramm:

„Leistungsorientierte Entlohnung ist die Übersetzung der Strategie in Geld.“

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